Projekt Zeitschein

Geld beeinflusst unseren Alltag und prägt unsere Gesellschaft. Was wäre, wenn Geld transparent wäre? Wenn Kontostände und Transaktionen der Weltöffentlichkeit sichtbar wären? Gäbe es dann noch Korruption? Oder ist das Geld unserer Träume vielleicht doch lieber geheim, sodass unsere Privatsphäre geschützt ist?

Was wäre, wenn es auf Kredite keine Zinsen gäbe? Würde es verschuldeten Menschen dann leichter fallen, sich aus ihrer Zwangslage zu befreien?

Was wäre, wenn Geld wie Gras aus dem Boden wüchse? Für jeden verfügbar – in kleinen Mengen – wie ein Grundeinkommen, das an keine Bedingungen geknüpft ist? Wenn die für jeden stets verfügbare Menge für einen genügsamen einfachen Lebensstil ausreichte? Gäbe es dann noch Armut? Wenn jeder ausreichend Geld hätte, gäbe es dann noch finanzielle Abhängigkeit? Würden Menschen dann noch widerwillig machen, was ihnen ein anderer vorschreibt? Gäbe es dann noch Machtgefälle? Wenn jeder ausreichend Geld hätte, würden wir dann noch arbeiten? Würden wir länger schlafen? Hätten wir dann mehr Zeit für Kunst, Kultur und Bildung oder für Familie und Freunde? Wenn niemand auf Erwerbsarbeit angewiesen wäre, gäbe es dann noch Wirtschaftswachstum? Wären dann die Müllberge kleiner und die Regenwaldabholzung geringer? Die Smartphones älter? Die Kleiderschränke leerer? Gäbe es dann noch Angst vor Arbeitslosigkeit? Wenn Geld nicht mehr knappes und stark begehrtes Gut wäre, wäre dann der Kunde immer noch König? Würden wir dann manchmal den Satz zu Ohren bekommen: „Ich brauche dein Geld nicht, ich habe genug davon.“ Gäbe es dann noch Profitgier? Würden dann Freundschaft und Freundlichkeit in der Arbeitswelt eine größere Rolle spielen?

Was wäre, wenn Geld schrumpfen würde? So wie Kartoffeln im Keller, die mit der Zeit verfaulen, bevor wir sie alle alleine aufessen können. Wenn sich Beträge auf Girokonten von Zeit zu Zeit durch einen mathematischen Algorithmus vollautomatisch um einen prozentualen Anteil verringern würden? Würde uns dann auch beim Geld das Teilen leichter fallen? Gäbe es dann mehr Großzügigkeit? Könnten wir dann öfter „Fünfe gerade sein lassen“?

Was wäre, wenn eine bestimmte Sorte Geld nur in unserer unmittelbaren Umgebung bekannt und anerkannt wäre? Gäbe es für dieses Geld dann noch Gemüse aus Neuseeland? Würde dieses Geld Automatismen hervorrufen, die dazu führen, dass wir verstärkt Produkte aus der Region kaufen? Würde das die regionale Landwirtschaft unterstützen?

Was wäre, wenn Geld weniger wertvoll wäre? Was wäre, wenn wir uns beschenkten statt Geld zu verlangen? Gäbe es dann noch Unterschiede zwischen Arm und Reich? Was wäre, wenn wir die Vorgänge des Schenkens transparent gestalteten und in einer öffentlich einsehbaren Datenbank abspeicherten? Würde uns dieses Vorgehen ermöglichen, diejenigen Menschen zu finden und zu belohnen, die sich mit ihren Zeitgeschenken für ein besseres Miteinander einsetzen?

Was wäre, wenn verschiedene Sorten Geld nebeneinander existierten? Was wäre, wenn wir jeweils die Sorte Geld nutzten, die uns situationsspezifisch am besten gefällt? Was wäre, wenn wir als Weltenbürger selbst unser eigenes Geld entwickeln? Was wäre, wenn wir Teile dieser Vorschläge und Ideen kombinieren und in unterschiedlichen Parallelwährungen zusammenführen? Was wäre, wenn wir unsere Gedanken weitererzählen? Was wäre, wenn wir heute damit anfangen?