Gelüste

Fangen Sie den Sinn ein, fragen Sie nicht danach. Die grelle violett-pinke Bar, hinter dem Tresen befindlich zwei weißblättrige Frauen, herrlich das Gesicht verziehend. Pfeife-rauchende skat-spielende Katzen in der Ecke, das Szenario ummantelt von dem angenehmen Gestank feinsten Tabaks. Eine fette rote Linie zieht sich hindurch. Zerteilt den Fiebertraum. Ich sitze. Auf dem Hocker.

Spüren Sie das beinah unangenehm billige Holz unter Ihrem Gesäß durch die Geschichte

hindurch? Meine Augen verklebt. Dem Zufallen nah. Gesichter geprägt von der gleißenden Hoffnung und Zerstreuung der Zeit.

Ich bin müde. Ich will schlafen.

Meinen Sie, es sei noch erlaubt? Den eigenen Gelüsten nachzuwandeln, oder ist das verpönt, ein Sakrileg, nichts und niemandem zumutbar wie eine Taufe dem Teufelskind? Die Katzen schauen auf. Augen auf mich. Feindselige Blicke. Meditieren Sie? Man meint es sei eine Form der Selbstbeherrschung, Disziplin, Anerkennung, Ehre, Ruhm, weltliche Besitztümer, Geiz ist geil, wandelnde Zombies umherirrend, verwirrt, geblendet vom Schein des Seins und dem Schatz der Oberfläche. Mein Glas. Leer.

Die dreckigen blauen Neonlichter der Bar flackern, ziehen Fliegen und Motten an, das Geflatter der Nacht, Fenster offen, sonst ist das unwillkürliche Ersticken leicht gemacht. Ich ziehe an meiner Kippe. Der Kotzreiz in mir steigt auf.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, was es bedeutet, nach dem Sinn in etwas zu suchen? Die schwankende immerwährende Gratwanderung auf der Wäscheleine des Lebens, ohne den Blick nach unten und nach vorn zu verlieren. Wissen Sie was das bedeutet?

Ein Knall. Aus dem hintersten Winkel der Bar. Die Katzen schauen auf.

Roter Schleim an den Wänden. Eine der Katzen macht sich daran, ihn aufzulecken. Sie färbt sich rot ein. Die andere wendet sich angewidert ab, als erstere beginnt, sich in ihre eigenen Elemente aufzulösen.

Ich schließe meine Augen. Versinke in die Traumwelt. Weg, weg, heraus aus der unendlichen Parabelschleife der Hochs und Tiefs, mich meinem eigenen Geiste entziehend, der mich fortwährend einholt.

Spüren Sie es? Das Rot auf Ihrer Zunge?
Ich löse mich auf.
Spüren Sie es?