Mein Haus

Mein Haus

Ich lebe im Nebengebäude einer Wäscherei. Ständig klopfen Leute an meiner Tür, weil sie denken, dort gäbe es weitere Waschmaschinen. Das liegt nicht an mir, das liegt an der skurrilen Bauweise der Stadt. Ich hasse die Stadt und ich hasse die Leute, die bei mir klopfen und Herr Dr. Kokosch rufen (das ist mein Name ... er steht in großen Buchstaben auf der Tür ... die Stadt meinte das würde reichen, um die Ruhestörung zu minimieren ... wieso nicht einfach „nicht stören“ oder so?). Ich leide an einem überempfindlichen Gehör. Das verdammte Rattern und Surren der Waschmaschinen und die wiederholten Rufe machen mich fertig. Übrigens gehe ich schon seit etwa zwei Monaten nicht mehr aus dem Haus. Schließlich führt der einzige Weg durch die Wäscherei. Wer sich das ausgedacht hat, kriegt eine gekloppt. Mir ist das beim Einziehen gar nicht richtig aufgefallen, auch das mit dem Lärm nicht, ich glaube es war ein Sonntag ... Heute ist Montag. Eine ganze Woche Lärm vor mir. Ich sollte wandern gehen. Gerade als ich die Tür aufschließe, klopft es, ich öffne und ein nackter Mann stolpert in meinem Wohnzimmer herein. Er sieht eigentlich recht schön aus: Seitenbeleuchtung, Haare im Wind der offenen Tür, aber nackt. Ich finde jede Art der Nacktheit abstoßend. „Das ist mein Haus“, sage ich und der nackte Mann lächelt. Er sagt er habe seine ganze Wäsche in die Waschmaschine getan und vergessen, dass er dann nackt sein würde. Dann läuft er gegen eine der Wände. „Soll ich dir eine Decke geben?“, frage ich zur Sicherheit, aber auch weil ich keine stabile Seitenlage kenne und der nackte Mann schon wieder Anlauf nimmt. Der Mann knallt gegen die Wand, dass es mir schmerzt, und kippt um. Er liegt auf dem Boden und strampelt und weint. „Sie haben mich ausgelacht“, ruft er und ich sage, er solle nicht so schreien, in meinem Haus. Also kriecht er Richtung Wäscherei zurück. „Das ist gut!“, sage ich, um den nackten Mann aufzumuntern. Er dreht sich im Kriechen immer wieder zu mir. Dann hat er es geschafft. Er ist bei der Tür. Er rappelt sich auf und läuft weg. Ich schließe die Tür wieder zu und steige durch ein Fenster hinaus, laufe aus der Stadt in die Berge zum Wandern und fort.