Trouble Town

SZARLOTA W.: TROUBLE TOWN

Eine Frau schaut aus dem Fenster, eine Frau spricht russisch. Das andere Ende der Welt ruft an, ich gehe nicht dran. Das Ende steht am Anfang von allem, und blickt doch auf vieles zurück. Wir versuchen ihm zu helfen, doch scheitern am System.

Ein Mann hat Promille und THC im Blut, ein Mann fährt lachend gegen die Wand. Die Tage wurden heller, die Nächte bleiben schwarz. Ich knipse den Lichtschalter an und bin zu früh. Eine gemeine Schabe wohnt bei uns, und sie ist niemals allein.

Eine Frau freut sich, eine Frau freut sich sehr. Jemand entscheidet, dass Normalität herrscht und lädt zum Billard ein. Nicht zwecklos fallen Blätter, und irgendwo wird immer gehobelt. Ich fange den Ball und weiß, es sind jetzt neue, die mir die Bälle zuspielen.

Und irgendwo begehrt irgendwer nicht mehr. Und auch der Empfang war schon mal besser. Zwischen wachsenden Fassaden, teilen tiefe Furchen den Grund. Zwischen Quelle und Strom, fährt einer Lastkraftwägen.

Ein Mann kommt auf mich zu und kündigt sich an: Ja, genau auf Sie steuere ich zu! Mit dem Finger zeige ich auf Sie, denn Sie sind mein Opfer. Mein Rücken gewärmt, gibt das Gebäude mir Halt. Ein Foto wolle er, für Facebook und Co. Die ganze Residenz bitte und sein Gesicht, sowieso.

Was ich da lese, fragt der Mann mit Tön-Frisur. Wie wir begehren, würde er vielleicht hören wollen, eure Heimat ist unser Albtraum, Hengameh Yaghoobifarah, sage ich. Oh, ja, wichtig und oh ja, auch aktuell. Rassismus und so. Foto bitte. Foto bitte. Foto bitte. Und ach, wussten Sie: Ich investiere, in 20qm und meine Zukunft. 140.000. Altersvorsorge, schon drüber nachgedacht?

Ein Mann fragt wer sie ist, damit er ihr sagen kann, wer er ist. Jemand hat genug, um später noch genug zu haben. Jemand ist jünger, jemand ist nicht weiß. Wer hat, dem wird gegeben. Wem ein Haar fehlt, dem bleibt bloß das Bettlerleben. Und bedenke, sagen sie, für die Straße ist es nie zu spät! Häng die Bildung an den Haken, gib zurück, was du nie haben solltest, ach hättest du auf uns gehört.

Zwei Schwäne baden am Ufer des Flusses. Ein Fisch wird lebensmüde und schmeißt sich vor fremde Füße. Zwischen Leben und Sterben entscheidet bloß meine Hand. Was für mich Leben ist, ist für ihn der Tod. Was für ihn Luft ist, ist auch mein Elixier, doch tauche ich hinein, weiß ich, ich muss los.

Eine Frau ist jünger als die andere, doch wer so aussieht, muss anders sein. Muss ein Kind sein. Muss nicht für voll genommen werden, denkt sich der eine. Hinter getönten Gläsern und Helm werden Zweifel laut. Zum erfrischen kamen Sie her, oh schöne Frau? War es die Arbeit, oder was trieb sie so sehr? Wie Männer die auf Füße starrten, damals, im grünen Herzen des Nachbarlandes, starrt wieder einer, ganz ungeniert.

Ein Artefakt, bloß ein Artefakt. Erinnern ist die größte Lüge. Schon während des Erlebens schleichen sich die Fehler ein. Wer will da vertrauen, wenn er sich fragt, wie es gewesen sei. Wenn morgen und gestern so unsicher sind, wie kostbar bist dann du, du rasender Moment.Ein Vorhang verdeckt, doch Eitelkeit bleibt. Gefüllt sind die Keller, mit Hopfen und Späne. Es wird gerülpst und gepöbelt, nebenan und auch damals, in der Stadt voller Kräne. Kein Tier, bloß Metall. Kein Tier, bloß ein Mensch der dort den ersten Schuss befahl. Die Banalität des Bösen, sie war niemals fort.

Zwischen Aufhören und Anfangen herrscht ein klarer Pakt. Nicht süchtig nach einer, einem, süchtig nach dem Leben, sagen sie. Sieben Euro. Sieben Euro. Sieben Euro schuldest du mir. Essen solltest du, doch fällst du lieber vom Fleisch als sie nicht zu investieren. Der Flur stinkt nach Rauch und deine Bande nach Bier.

Sie will verlassen werden. Sie will verlassen werden. Sie will es und du willst es auch. Die Stadt spukt dich aus und du kriechst wieder hinein. Wie ein Wurm an einem Strick, heulst du gegen den Wind. Vergisst Worte, vergisst Namen, vergisst den 30ten Dritten.

Erlebt hat nur der, der Erlebtes erzählen kann, sagt ein Mann. Gewinnen kann nur der, der vorher schon gewonnen hat. Der rechte Fuß in Paris, der linke in der Seine. Was heuer Fußboden ist, kann übermorgen mehr.

Im neuronalen Gestrüpp erzeugt sich ein Bild seiner selbst. Wenn erinnern nicht die erste, sondern bloß die zweite Lüge ist, wer wirft dann den ersten Stein. Wenn sich alles überlagert, wer wäscht wessen Weste rein? Und wenn ich Weste sage, dann meine ich auch die mit den Ärmeln, die Westen, die ihr verneint.