Ausgabe 06

  • 01/12/2020

Vorwort #6

Die Jugendherberge, Würzburg, in der Nacht vom 09. auf den 10. November ’20

DIE RUHIGE KUGEL

Nanu?,
ich kann noch nicht gehen, die Augen
schließen.
Dann wachen, die Plätze zurück rufen an
denen wir —
Gemach gemach, Wodka und
Himbeergeist grinsen die Ecke.
Ich kann noch nicht gehen.
Kapitän Morgengähn sagt nein.
Langsam der Zahnschmerz,
was redeten wir als Kollektiv nicht alles?
Die Trägheit unserer Autorenschaft,
die Apathie der Leserschaft,
die kleingeistige Ignoranz dieser Stadt.
Wer fühlt sich denn verantwortlich,
außer die Abteilung des
Schwertransportes
des Ordnungsamtes.

Herr Schuchardt,
Herr Könneke,
wie wäre eine maskierte Partie Golf,
darauf Trüffel suchen an der Steinburg?

Langsam der Zahnschmelz.
Will doch nur liegen bleiben,
und ein paar destruktive Scheiben,
ballern in die FakeNewsPsychosis,
in die Hysterie der Massen.
Schmeißt die Fuck-Boys in den Mülleimer,
hier werden andere Spiele gespielt.
Wir spielen Russisch Roulette,
der Gewinner drückt sich die ruhige Kugel
in die Schläfen,
der Verlierer —

Keine Angst vor Überlänge,
werfen Sie einen Blick in unsere sechste
Ausgabe.
Und geben Sie endlich Widerworte.
Damit der Eklat wieder seine Bahnen
brechen kann.

An all die saturierten Punker da draußen,
vielleicht ist die KLW doch nur mein
propagandistisches
Sprachrohr – Freiheit für Arzach.

Der Herausgeber,
M. B.,
männliches Pronomen,
sonst fluider Frostschutz.

„Ich hatte einmal eine Reiche ERNTE23,
sie ist die Frau für’s Leben. Wie damals
München in der Geographie, beim Treten
der E-Roller.“


akira (old school
remix)

wo zitadellen der hybris sich allzu dicht draengen
explodiert jeder konflikt gleich zur eskalation
wir kriechen im staub von tod & verwesung
doch unter unsren staedten lauert wiedergeburt

uns durchschwirren die gene wie amoeben sich teilen
die energie des universums immer schon retro-neo
mutiert uns den geist auf telekinetischen schwingen
zerschuettelt die schalen saemtlicher egos zu bruch

& entquellen den ritzen traeume gepeinigter kinder
bilden sie einen hauch luzider prophetie-paprika
aus knallbunten visionen unter den schatten des chaos
vergaert uns das bewusstsein zu halluzinogen-kapriolen

o wir warten seit langem auf das licht der befreiung
denn tief in uns schlummern reste wahrer natur
deshalb klammern wir uns gerne an helden & gurus
deren worte als laser unsere ketten verformen


Nachwort #6

NACHSPEISE,
Kräuterlikör nach acht Weißwurst

Vor- wie Nachwort zu schreiben, das gehört sich nicht. Sei denn mein Name sei Sipos. Peter Sipos. Nennen Sie mich Schweiß. Kalter Schweiß; der unter der Jogginghose, wenn die Nacht schlecht durchlegen. Der unter der Prämisse, dass Unbefugte sich Zutritt verschaffen in Ihre Privaträume. Der Kaffee zu viel aus der Maschine, und Ihr Herz taumelt zwischen Bebop und mehr als einer ganzen

Pause …

Sie kommen hoch, Sie kommen empor. Sehen Sie mich? Ich male meine Umgebung anders als sie ist. Negiere die Realität – ich halte das für durchaus vernünftig. Sprinkle die Wände von unter den Achseln, fast am Ellenbogen abgerutscht. In den heißen Phasen tropfe ich zu Boden. Ich rieche mich selbst, ich rieche Angst, davor falsch zu treten, rieche Anstrengung, Bürde, das, was ich für Demut halte, und den süßen Cocktail, der sich aus unserer primitiven Magie speist.

Haben Sie eine:n Geliebte:n? Fein, machen Sie was draus. Haben Sie eine unerfüllte Liebe? Fein, machen Sie was draus. Aschfahles Gesicht? Träufeln Sie etwas Farbe und meiden Sie Heringsfilet.

Schiff wird Hafen finden. Bayernlotto?
Spielen Sie nicht, so.

Wie meine Hände riechen, nachdem ich sie ableckte, das sage ich Ihnen lieber nicht. Es macht keinen Unterschied, ich muss einfach hässlich sein. Ich rieche diese Stadt, und hänge im brennstofflosen Ölofen der Redaktion. Diese zeigt sich steingesichtig, konsterniert über die jüngsten Enttarnungen – gibt sich dieser Tage auch kaum eine:r Mühe einen vernünftigen Text zu schreiben. Kein Augenzwinkern, sparen Sie sich Ihr selbstgefälliges Grinsen. Nehmen Sie Hennermannschen Mut (Noch nicht in Flasken erhältlich). Gehen Sie hart ins Gericht – mit Ausgabe Sechs und Kolumne Drei von Karl T. Ziegler (offizieller Groschenlos-Stipendiat der KLWerke). Mit sich und Ihrer Umwelt. Schreiben SIE doch etwas Vernünftiges, vulkanisiert-waffliges. Senden Sie es uns zu – wir sind nicht empfindlich, wir weinen nur, wenn’s dunkel ist und der Gipfel noch weit.

Bleiben Sie kalt, dann denken Sie
hoffentlich an mich; wenn Ihre
wohlig-heimelige Kulisse zerfällt,
bin ich da — mit Ihnen im Netz der Spinne.

Von Herzen, ein φόβος,
Ihr Kalt. E. R. Schweiß